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Stellungnahme
zum Genehmigungsverfahren 
`Strandbar´ im Monbijou Park
19. Dezember 2002

1. Sehr geehrte Frau Dubrau, ...
2. `Strandbar´-Wünsche
3. Bezirkszusagen
4. bisherige Erfahrungen mit dem `Strandbar´-Kneipier
5. Befürchtungen
6. Fazit
7. Verteiler

`Strandbar´ im Monbijoupark:
Strandbar im Monbijoupark März 2003 (Foto: M. Heller)
.../monbijou.html#Strandbar

1. Sehr geehrte Frau Dubrau,
sehr geehrte Damen und Herren,
   auf einer unserer letzten Sitzungen der Betroffenenvertretung Spandauer Vorstadt haben der Betreiber der Strandbar im Monbijoupark (an der Monbijoubrücke) Christian Schulz und der diese Dünenlandschaft gestaltende Künstler David Regehr teilgenommen, um uns das Konzept für eine erweiterte Nutzung des Geländes der immer noch nicht sanierten Uferpromenade vorzustellen.

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2. Situation: 
Wünsche des `Strandbar´-Betreibers
   Geplant ist eine Verdopplung der genutzten Fläche von der Monbijoubrücke bis zum ersten Weg von der Uferpromenade zur Oranienburger Straße, die wie schon die Teilfläche seit August des vorigen Jahres mit Sand zu einer Dünenlandschaft aufgefüllt werden soll, in der die Strandbar Getränke verkaufen kann. Diese kommerzielle Nutzung eines Teils des Monbijouparks wurde uns als absolut notwendige Voraussetzung für die Betreibung des Theaters auf der versiegelten Bunkerfläche dargestellt. Darüber hinaus wird aber auch der Anspruch erhoben, es handle sich nicht um eine gastronomische Einrichtung, sondern um ein Kulturprojekt, da man plant, in der Strandbar selbst Lesungen und Performances („Kampf um Troja“) an zwei Tagen in der Woche durchzuführen. Die Strandbar wurde uns daher als ein getränkeverkaufsgestützter Kulturbetrieb präsentiert, der zudem ein Geschenk an die Stadt darstellen würde. 

   Wir halten eine Strandbar an der Spree - die offensichtlich nach dem Vorbild der in einen Sandstrand verwandelten Pariser Uferstraße im vorigen Sommer entworfen wurde - für eine witzige Idee, zumal, wenn dadurch angesichts der knappen öffentlichen Mittel ein Theater unterhalten werden kann. Allerdings unterscheidet sich das Berliner Projekt von dem in Paris dadurch sehr nachteilig, daß hier nicht eine Straße, sondern ein kleiner Park zu einem großen Teil und in unmittelbarer Nachbarschaft des Kinderspielplatzes mit Sand aufgeschüttet werden soll. Zwar wurde uns versichert, daß nur der derzeit nicht zugängliche Teil der Uferpromenade mit Sand ausgestattet werden soll, aber zugleich wurde die Rodung der auf diesem Teil befindlichen Sträucher und Bäume (und vermutlich auch die Planierung) im Vorgriff auf die geplante Neugestaltung der Uferpromenade als Voraussetzung für die Erweiterung der Strandbar angesehen. Aber über diese Gestaltung der Uferpromenade, insbesondere über ihre Breite bestehen nach wie vor Uneinigkeiten, weshalb noch gar nicht klar ist, welches Areal genau im Vorgriff genutzt werden könnte. Wir plädieren in jedem Fall für die Einbeziehung der dort stehenden Bäume, insbesondere der Trauerweide . 

   Abgesehen davon gingen wir nach den bisherigen Planungen und Absprachen in der Monbijou-Steuerungsrunde davon aus, daß im künftigen Frühjahr die Arbeiten an der Uferpromenade endlich einsetzen werden. Wir halten daher eine Vergabe, auch wenn es nur für einen begrenzten Zeitraum wäre, für ein latentes Hindernis für den möglichst baldigen Beginn und zügigen Abschluß der Arbeiten, auf die wir schon seit mehreren Jahren dringend warten.

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3. Situation:
Die vereinbarten Zusagen des Bezirkes für den Park
   Darüber hinaus erinnern wir hier an die Zusagen des Bezirks vom 17.8.1999, als Antwort auf die Kleine Anfrage von Uschka Thierfelder (KA 227/III), wonach der Wegfall an Grünfläche wegen der Neugestaltung des Monbijouplatzes samt Torhäusern in der nahen und ferneren Zukunft durch folgende Maßnahmen ausgeglichen werden sollte:
- Abbruch der Gaststätte, 
- Entsiegelung und Begrünung der Freifläche südlich der Kunsthochschule, der versiegelten Fläche an der Monbijoustraße, 
- Verlegung des NGA-Stützpunktes und des Poliklinikbereiches an der Monbijoustraße. Auf diese Weise wurden 7.438 qm neue Grünfläche vom Bezirksamt in Aussicht gestellt. Auch die Neugestaltung der Uferpromenade ist seit Jahr und Tag überfällig, um endlich die Fläche des Parks seiner eigentlichen Bestimmung als grüne Oase in einem dicht bebauten Wohnviertel mit hohem Kinderanteil und vielen Erholung suchenden Touristen gerecht zu werden. Wir haben ein Überangebot an Kneipen, aber einen auch in der Studie des Bezirksamts festgestellten entschiedenen Mangel an Grünflächen.

   Angesichts dieser Situation bestand bisher zwischen dem Bezirksamt und der BV SpV völlige Einigkeit darüber, daß der gegenwärtige Bestand des Parkes und seine allgemeine öffentliche Nutzung durch Einwohner und Touristen als Volkspark für alle Generationen (Kinderspielplätze, Kinderbad, Sportanlagen, Liegewiesen und ruhige Areale) in jedem Fall zu schützen sind. Dazu gehören Schutz des Grünbestandes und seine Erweiterung, Ausbau der Spiel- und Sportflächen im geplanten Ausmaß sowie der längst fällige Ausbau der Uferpromenade durch den Senat mit den Mitteln der „Allianz“. Bei diesem Ausbau sind vorhandene Grünbestände weitgehend einzubeziehen, insbesondere aber keine Bäume zu fällen. Solange keine Neugestaltung der Promenade erfolgt, erscheint uns auch die ersatzlose Rodung der Sträucher als Eingriff in bestehende Grünflächen, die den Gesamtcharakter des Parks verändern würde. Es kann nicht sein, dass jeder Schritt in die richtige Richtung (hier die Entsiegelung einer Fläche an der Monbijoubrücke) durch zwei Schritte rückwärts wegen irgendwelcher Zwischennutzungen (Strandbar und nun auch noch Erweiterung) relativiert wird. Es gab beim Abriß der Gaststätte Einigkeit darüber, daß der Park angesichts des Kneipenangebots der Umgebung und der Begrenztheit seiner Fläche keine neue Kneipe braucht.

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4. Situation:
bisherige Erfahrung mit dem Kneipen-Betreiber
   Die Nutzung der Parkfläche durch die Betreiber der Strandbar hat bereits im vergangenen nur teilweise genutzten Sommer (Nutzung erst ab August) durch Lärm und Anziehung eines konsum- statt entspannungsorientierten Publikums zu einer starken Belastung des Parks und des Kinderspielplatzes geführt, denn die dort bis in die Nacht gespielte Musik machte am Bauzaun nicht halt. Es kam auch zur Lärmbelästigung der Anwohner, vor allem aber zu einer extremen Belastung der unmittelbaren Strandbarumgebung, zu der auch der Kinderspielplatz gehört, durch pinkelnde Strandbarbesucher bis zum Morgen um 4 Uhr. Da der Betreiber schon im vorigen Jahr erst nach dem Protest der Anwohner zu einer Regulierung der Lautstärke bereit war und auch erst nach dem Einspruch einer von uns zur Besichtigung eingeladenen Hygieneinspektorin bereit war zu akzeptieren, die Toilettensituation (im kommenden Jahr) zu verändern, also die beschriebene Situation samt der in den Park gestellten stinkenden und deshalb wenig genutzten Bautoiletten monatelang sehenden Auges billigend in Kauf genommen hat, ist von ihm auch in Zukunft keine besondere Rücksicht auf den Park über die ausdrücklichen bezirklichen Auflagen hinaus zu erwarten. Tatsächlich versicherte er uns im Gespräch ausdrücklich, dass er hinsichtlich der Lautstärke nur bereit ist, die gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerte an Dezibel in Abhängigkeit von den Uhrzeiten einzuhalten. Dieses Einhalten der gesetzlichen Regelungen nannte er dann Kooperationsbereitschaft.

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5. Befürchtungen
   Für den kommenden Sommer sieht der Betreiber eine Ausweitung des Geländes seiner Strandbar vor und will für die dort stattfindenden Kulturveranstaltungen ein riesiges Stahlgestell (8m Höhe) installieren. Wir befürchten, daß dies schon aufgrund der dafür aufzubringenden Kosten keine kleine Investition in einen provisorischen Sommer wird und hier Tatsachen für eine künftige Gestaltung der Uferpromenade unter Einbeziehung der Strandbar geschaffen werden sollen. Vor allem aber werden durch den Kneipenbetrieb und durch die geplanten Happenings größere Menschengruppen in den Park gezogen, der bekanntlich schon jetzt im Sommer auf jedem Quadratmeter genutzt ist. Die Musikbeschallung wird dann mindestens den halben Park erreichen, wenn sie nicht aufgrund der gegenüberliegenden Gebäude der Museumsinsel in den ganzen Park zurückgeworfen wird. Der Park wird angesichts der Ausweitung der Strandbar und der geplanten Weglassung der Zäune zum grünen Ambiente der Strandbar werden, die den ganzen Park zur Sitzfläche zum Genuß ihrer Getränke werden lassen kann und wird. Die Aufräumungsarbeiten werden dann allerdings dem Grünflächenamt Berlin-Mitte unterliegen, da die Strandbar nur für die von ihr mit Sand aufgefüllte Fläche verantwortlich zeichnen wird. Eine Vorstellung von einer solchen Eskalation des offenen Ausschanks zu besten Hochsommerzeiten hatten wir schon einmal in den frühen 90er Jahren in der Oranienburger Straße, als die ganze Straße in den Nächten zur Stehbierkneipe mutierte, die am Morgen von Biergläsern beräumt werden mußte.

   Angesichts dessen, daß uns die Strandbar vom Betreiber definitiv als die notwendige finanzielle Grundlage für das Theater vorgestellt wurde, ohne die es nicht existieren könnte, stellt sich auch die Frage der Zustimmung zum Theater auf den versiegelten Bunkerflächen. Allerdings bestehen gegen das Theater als solches von unserer Seite bislang keine Einwände, solange die Entsiegelung noch nicht ansteht. Allerdings ist der Preis einer Umwidmung des Parks, der bei Betreiben der Strandbar keineswegs nur in den Grenzen der Strandbar der öffentlichen Nutzung entzogen ist, sondern aufgrund des Geräuschpegels, des entschieden verstärkten Publikumsverkehrs und der Ausstrahlung des Kneipencharakters auch in seine anderen Teile hinein eine kontemplative Nutzung unmöglich macht, unseres Erachtens dafür zu hoch.

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6. Fazit
  Entsprechend lehnen wir eine erneute Genehmigung der Strandbar entschieden ab und würden einer Genehmigung für das Theater auf den begrenzten obigen versiegelten Flächen nur unter der Bedingung zustimmen, dass die finanzielle Grundlage durch eine Strandbar an anderer Stelle auf wenig genutztem Straßenland, z. B. auf einem Teil des Kupfergrabens (Nähe zum Wasser) erbracht werden kann. Überhaupt bitten wir das Bezirksamt, den Betreibern alternative Plätze für ihr als solches witziges Projekt vorzuschlagen, bei der der in den letzten Jahren ohnehin geschundene und geschrumpfte Monbijoupark nicht schon wieder in Mitleidenschaft gezogen wird.

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7. Verteiler
BA Mitte BzBM, Herr Zeller
Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung IV-C-1-5, Frau Krutzsch
BA Mitte, Herr Büttner
BA Mitte, Herr Rauner
Koordinationsbüro f. Stadterneuerung

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Berlin, den 19.12.2002,

Ursula Goldenbaum, Sprecherin BV SpV

Markus Heller, Sprecher BV SpV

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© & Seitenbau: M. Heller, Berlin

30. Juni 2003
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06.03.2003:
Umstrittene Dünen im Monbijoupark

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Volkspark oder Eventmeile?
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