Mitte

Bezirk will zulassen, dass der Monbijoupark kommerziell genutzt wird
Der Anfang vom Ende

Mitte. Das Bezirksamt will prüfen lassen, ob die Strandbar im Monbijoupark parallel zum Hexenkessel Hoftheater betrieben werden kann. Bei der Betroffenenvertretung Spandauer Vorstadt (BVSpV) befürchtet man, dass damit ein Prozess eingeleitet wird, der den Anfang vom Ende des Monbijouparks bedeutet

Den Anstoß gab die PDS. Sie stellte in der BVV den Antrag, den Spielbetrieb des Hexenkessel Hoftheaters für dieses Jahr sicherzu stellen und für die folgenden Jahre ein entsprechendes Konzept zu entwickeln. Das Hexenkessel Hoftheater führt in den Sommermonaten im Monbijoupark seit 1999 sehr erfolgreich Shakespeare-Inszenierungen auf - und das ohne öffentlichen Zuschuss. Gleichzeitig möchte die PDS prüfen lassen, ob auch die Strandbar an der Uferpromenade wieder geöffnet werden kann. Diese existiert seit 2002 und wird von dem Produzenten des Hexenkessel Hoftheaters, Christian Schulz, betrieben. Der Antrag wurde von allen Bezirksverordneten mit Ausnahme der Grünen angenommen.

"Wir machen kein Geheimnis daraus, dass die Strandbar eine Quersubvention für das Theater darstellt", sagt Ron Bloch, Mitarbeiter der Presseabteilung Hexenkessel & Strand GmbH. "Wir bekommen keine öffentlichen Zuschüsse und verlangen sehr moderate Eintrittspreise." Auch müsse man bei den Veranstaltungen unter freiem Himmel immer mit schlechtem Wetter rechnen. "Wir hatten in einigen Jsahren bereits Einbußen von bis zu 50 Prozent."

"Gegen das Theater haben wir nichts einzuwenden", sagt Hans Lindenau, Sprecher der BVSpV. "Doch wir wollen mit den Veranstaltern jedes Jahr erneut über eine Nutzung verhandeln." Hintergrund ist das Gerangel um den Bebauungsplan für den Monbijoupark. Er ist zwar als Grünfläche ausgewiesen, aber noch nicht festgesetzt worden. "Wird einmal eine kulturelle Nutzung festgeschrieben, haben andere Einrichtungen ebenfalls das Recht, hier Spielstätten zu bauen", so Lindenau. Dasselbe gilt für die Strandbar: Der kommerziellen Nutzung wären Tür und Tor geöffnet. "Werden die Pläne der PDS Wirklichkeit, gibt es noch weniger Grün im Monbijoupark", sagt Lindenau.

Schon jetzt werden die 32.350 Quadratmeter so intensiv genutzt wie kaum ein anderer Park in der Stadt. Grund: Es gibt bereits jetzt kaum Grünflächen in der Spandauer Vorstadt. "Für junge Familien ist das ein Hauptgrund, von hier wegzuziehen", so Lindenau. Ron Bloch sieht in der Strandbar dagegen eine "Oase der Entspannung im Großstadtdschungel". "Es versteht sich von selbst, dass wir auch in diesem Jahr für eine Infrastruktur sorgen werden, in der sich Mensch, Tier und Pflanze wohlfühlen", sagt er. Wir wollen der Natur keinen Schaden zufügen."

Doch der BVSpV geht es um noch etwas anderes. Lindenau erinnert an die Begehrlichkeiten anderer Investoren. Der Masterplan für die Museumsinsel sieht neue Gebäude vor. Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte wollte hier bereits Gebäude errichten. Auch die Kalkscheune hatte schon Interesse angemeldet. "Mit der kulturellen und kommerziellen Nutzung, wie sie jetzt von der BVV angestrebt wird, könnten all diese Begehrlichkeiten wieder geweckt werden", so Lindenau. "Leidtragende sind aber die Anwohner."

Lindenau schlägt darum eine Alternative vor: "Sie S-Bahn-Bögen im Monbijoupark stehen leer. Die Mieten sind teuer. Aber wenn die Strandbar hier einzieht, kann man Grünflächen retten und Leerstand beheben." dvs
 

Berliner Abendblatt vom 18. bis 24. Februar 2004